First Flush 2021: Versuch einer Bestandsaufnahme!

Jun Chiabari 2021 ff
Jun Chiabari 2021: eingefangene Sonnenstrahlen!

Zugegeben, die First-Flush-Saison ist nun schon einige Wochen aktuell, und der geneigte Teetrinker erwartet schon die ersten Flugtee`s der Sommersaison (Second Flush). Aber vielleicht ist das genau der richtige Zeitpunkt für eine detailliertere Betrachtung auf das ganze Sortiment der Frühlings Tees aus der Himalaya-Region. Und die Vorraussetzungen für eine gute Frühlingsernte waren in diesem Jahr alles andere als einfach: Die Pandemie hatte die Anbaugebiete in Darjeeling und Nepal vor große Herausforderungen gestellt. In Darjeeling durfte man zeitweise nur mit der halben Belegschaft in die Gärten, um die Ernte der jungen Teeblätter einzufahren. Die örtlichen Regierungen hatten zusätzlich strenge Hygiene-Verordungen erlassen, welches die Arbeit in den Gärten zusätzlich erschwerte. Als wenn die Pandemie nicht schon Herausfordernd genug währe, kam noch in diesem Jahr eine Trockenheit in der Region zum tragen, die das nötige Pflanzenwachstum im Frühjahr doch um einiges reduzierte. Bei diesen Vorraussetzungen kann man natürlich verstehen, dass die Preise in Darjeeling und Nepal sich in diesem Jahr doch noch mal  gesteigert haben. Aber wenn man all diese Widrigkeiten ausklammert: Die TeeGschwendner „Flugtees“ (darf man das eigentlich noch so schreiben?) der Saison 2021 sind hervorragend! Angefangen vom „Dauersieger“ der Flugtees aus dem garten Soom (Kennung 233), über den sich stetig verbesserten Nepal Projektee „Nepal Sunderpani“ (vor einigen Jahren noch belächelt) bis zum Nordindischen Flugtee Kangra Valley (wo nimmt dieser Tee eigentlich seine Süße her?) sind alle auf spitzen Niveau! Aber die Überraschung in diesem Jahr kam einige Wochen später ins TeeGschwendner Sortiment (wie übrigens auch schon im letzten Jahr, als dieser Tee seine Einführung feierte): Der First Flush aus dem Garten Jun Chiyabari!  Dieser Garten ist dem Nepal-Fan vielleicht schon durch einige fantastische Sorten im Edmons-Sortiment bekannt, oder vielleicht auch durch den Oolong „Jun-Chiyabari“ mit der Kennung 308. Aber der First Flush aus diesem Jahr (Kennung Nr 307) schlägt ein neues Kapitel auf: Ein kraftvolles großes Teeblatt mit vielen (ungewöhnlich großen) Tipps, lassen schon von der Optik des trockenen Blattes einiges erwarten. Der Aufguss selber ist außergewöhnlich floral mit leichten Anleihen an Maiglöckchen und einem hauch von Lemongras. Das Zusammenspiel der floralen Kopfnoten wird von einem feinen aber erkennbaren herben Nachgeschmack  getragen. Der Tee wirkt zudem angenehm vitalisierend, der Autor dieser Zeilen meint sogar er ist hochgradig „Stimmungsaufhellend“, bei einer kurzen Ziehlzeit (1.5 bis 2 Minuten). Bei dieser Überraschung aus dem Frühlingssortiment müssen wir uns nun auch kurz mit dem Garten selber beschäftigen: Der Garten Jun-Chiabari (übersetzt: vom Mond beleuchteter Teegarten) wurde 1990 von 2 Brüdern (Bachan und Lochan Gywali) gegründet mit der damaligen verrückten Idee: Wir gründen einen Teegarten nur  für High-Quality-Teas nach Darjeeling Verarbeitung! Unerhört dieser Ansatz, war doch bis dato der Tee aus Nepal eher unterer durchschnitt! Aber dieser Garten und der Tee ist alles andere als Durchschnittlich: Der Garten ist auf einer Höhe von ca. 1800 Meter verortet, was ein eher langsames Pflanzenwachstum zulässt. Der Garten ist auf einer Fläche von 100 Hektar „verteilt“, das heißt die einzelnen Parzellen sind teilweise weit von einander entfernt. Auf teilweise steinigen Boden (schwer zu bewirtschaften, aber sehr gut für die Teepflanze), durch dieses Konstrukt ergeben sich aber bei den einzelnen Parzellen ein jeweils eigenes Mikroklima. So können die Brüder mit einem Teegarten eine Vielzahl von Teearten aufwarten. Der First Flush Nr 307 wurde nach einer 3 Monatigen „Pflückpause“ (Januar bis März) geerntet. So hatten die Pflanze eine ausgedehnte Ruhezeit um sich von Stress der letzten Ernte zu erholen. Und wir finden, das schmeckt und spürt der Teetrinker! Also, liebe Teefreunde: lassen Sie sich von einem Frühllingstee überraschen, der in diesem Jahr ein Gewinner unter den Gewinnern ist :-))